Bisher war E-Commerce ein Geschäft zwischen Menschen und Webseiten. Ein Kunde sucht, vergleicht, klickt, kauft. Doch genau dieses Muster beginnt sich zu verschieben: Künftig übernehmen KI-Agenten Teile davon. Sie recherchieren Produkte, vergleichen Angebote, lösen Bestellungen aus und begleiten Support-Prozesse.
Für Commerce-Plattformen ist das mehr als ein zusätzliches Feature, es verändert, wer eine Anwendung am Ende überhaupt bedient. Auf dem Shopware Community Day 2026 in Köln hat Shopware daraus eine klare Ansage gemacht: weg vom klassischen Shop-System, hin zur offenen Commerce-Infrastruktur.
Wir haben die Keynote im Livestream verfolgt. Sie war in drei Themen gegliedert, und an denen entlang gehen wir die Ankündigungen durch. „Grow your way” beschreibt, wie sich der Markt wandelt und wie man mit Shopware seinen eigenen Weg findet, darin mitzuwachsen. „Automate the work” steht für die drei Produkte Nexus, Copilot und Payments. Und „elevate the experience” zeigt das Experience Studio.
Der Handel stellt sich auf KI-Agenten ein
Hinter dem Schlagwort Agentic Commerce steckt bei Shopware bereits etwas Konkretes. Im Store ist ein neues „Agentic Commerce”-Plugin erschienen, das UCP mitbringt. UCP steht für Universal Commerce Protocol, eine gemeinsame Sprache, über die KI-Agenten mit einem Shop interagieren, also Produkte finden, vergleichen und Bestellungen auslösen können. Der Vorteil: Man muss nicht jeden Agenten einzeln anbinden, ein gemeinsamer Standard genügt, um den Shop für kaufende Agenten zu öffnen.
Entscheidend wird dabei der Kontext. Ein KI-Agent kann nur das verstehen, vergleichen und kaufen, was ihm eine Plattform maschinenlesbar anbietet, also Produktdaten, Verfügbarkeiten, Preise, Geschäftslogik. Diese Daten gut aufzubereiten, zahlt sich nicht erst in ferner Zukunft aus: Schon heute recherchieren und empfehlen KI-Assistenten Produkte, und ein strukturierter Shop hat dabei bereits einen Vorteil.
Menschen kaufen weiter ein, aber sie bekommen Gesellschaft.
Diesen Wandel will Shopware nicht nur begleiten, sondern aktiv mitgestalten, und hat dafür in Köln mehrere neue Produkte vorgestellt.
Nexus ersetzt selbstgebaute Integrationen
Jede Agentur kennt diese Projekte: Das ERP soll mit dem Shop sprechen, der Shop mit dem PIM, das PIM mit dem Marketing-Tool. Was dabei entsteht, ist selten Architektur und meistens Flickwerk. Ein Geflecht aus Einzelschnittstellen, jede mit ihren eigenen Annahmen, Fehlerfällen und ihrem eigenen Wartungsaufwand. Bis eines Tages eine Seite ihr Datenformat ändert und niemand mehr weiß, warum die Lagerbestände nicht stimmen.
Shopware Nexus setzt genau hier an, einer der vier Launches des SCD26. Shopware beschreibt es als event-getriebene Orchestrierungsschicht, die fragile, selbstgebaute Integrationen ersetzt. Der Grundgedanke: Nexus reagiert in Echtzeit auf Ereignisse über mehrere verbundene Systeme hinweg. Statt eigene Schnittstellen und Skripte zu pflegen, baut man die Abläufe über eine visuelle Low-Code-Oberfläche. Einmal gebaut, lassen sie sich projektübergreifend wiederverwenden.
Den Kern bilden vorgefertigte Konnektoren zu externen Systemen wie ERP, CRM, PIM und Payment. Dazu kommen Werkzeuge, um die Daten zwischen diesen Systemen zuzuordnen und zu transformieren. In der Keynote hat Shopware das an einer Anbindung von Microsoft Dynamics (Business Central) gezeigt. Auf der einen Seite das ERP, auf der anderen die Shopware-Produkte. Die Feldzuordnung übernimmt Nexus dabei weitgehend automatisch, statt dass man jedes Mapping von Hand aufsetzt. Dynamics ist einer der ersten Konnektoren. Weitere wie ERPNext, NetSuite, Odoo, Akeneo oder HubSpot stehen für das Release auf der Liste.
Noch befindet sich Nexus in der Beta und richtet sich laut Shopware vor allem an Entwickler und technische Teams. Aktuell läuft eine kostenlose Einführungsphase, geplant bis zum 1. September 2026. Danach soll nutzungsbasiert abgerechnet werden. Als Richtwert nennt Shopware rund 10 Euro pro 1.000 Ausführungen.
Copilot arbeitet in der Administration mit
Shopware Copilot bringt einen KI-Assistenten direkt in die Administration. Man stellt ihm Aufgaben in natürlicher Sprache, und er kann analysieren, entscheiden und umsetzen. Shopware nennt Beispiele wie „Erstelle eine VIP-Aktion mit 20 % Rabatt und kostenlosem Versand” oder „Fülle alle fehlenden Produktbeschreibungen aus und übersetze sie ins Französische”. Wichtig dabei: Copilot nimmt keine Änderung vor, ohne dass man sie geprüft und freigegeben hat.
Für den eigenen Shop funktioniert das schon heute. Copilot greift auf eine begrenzte Menge an Shop-Daten zu, etwa die Shopware-Version, Lizenzdetails und den Plugin-Status. Er weiß also, was im eigenen Shop installiert und eingerichtet ist.
Beim Datenschutz betont Shopware, dass die Shop-Daten unter der eigenen Kontrolle bleiben. Der Anbieter des KI-Modells hat keinen direkten Zugriff auf den Shop. Dazu kommt ein Punkt, der für viele unserer Kunden besonders zählt: Copilot läuft auf europäischen Servern.
Die nächste Ausbaustufe reicht über den eigenen Shop hinaus. Dann soll Copilot auch auf Shopwares Ökosystem zugreifen, etwa den Plugin-Store. Er könnte dann nicht mehr nur sagen, welche Plugins installiert sind, sondern auch, welche man vielleicht noch braucht. Heute ist das ein Ausblick, kein Feature. Aber es zeigt die Richtung.
Payments wird Teil der Plattform
Zahlungen wickelt man in Shopware bislang über Plugins ab. Das reicht von einzelnen Anbieter-Plugins bis zu PSPs wie Mollie oder Stripe, die viele Zahlungsarten schon unter einem Vertrag und einem Dashboard bündeln. Shopware Payments geht einen Schritt weiter und macht die Zahlungsschicht nativ. Kein Plugin, direkt in der Plattform aktiviert und verwaltet.
Am Checkout steht eine breite Palette bereit: Karten, digitale Wallets wie Apple Pay und Google Pay, Buy-now-pay-later sowie PayPal, Venmo und PayPal Pay Later. Abgerechnet wird pro erfolgreicher Transaktion, Lizenzgebühren fallen keine an. Verfügbar ist Shopware Payments zunächst in Deutschland und Österreich, weitere EU-Märkte und die USA sollen folgen.
Eine Voraussetzung gibt es: Payments baut auf der Infrastruktur von PayPal auf. Man verbindet also einen bestehenden PayPal-Business-Account oder legt direkt einen neuen an. Wer das nicht möchte, bleibt frei. Payments ist ausdrücklich optional, bestehende Setups mit anderen Zahlungsdienstleistern funktionieren weiter.
Ein Detail mit Blick auf die agentische Zukunft: Shopware Payments baut laut Keynote auf PayPals AP2-Infrastruktur auf und ist damit „agentic ready”. AP2 steht für Agent Payments Protocol, also den Weg, über den ein KI-Agent eines Tages autorisiert im Auftrag eines Kunden bezahlen könnte. Heute schickt kaum jemand einen Agenten zum Einkaufen. Der Baustein dafür ist aber bereits gelegt.
Experience Studio macht den Einkauf zum Erlebnis
Den größten Sprung nach vorn wagt Shopware beim Einkaufserlebnis selbst. Das Experience Studio generiert ganze Erlebnisseiten aus einer Idee. Man gibt an, um welches Produkt es geht und welche Geschichte die Seite erzählen soll, und erhält eine vollständige, funktionsfähige Seite, die Inhalt, Kontext und Commerce zu einem Stück verbindet.
Der eigentliche Reiz liegt dabei nicht im Tempo. Es geht nicht darum, eine weitere Standard-Produktseite schneller zu erzeugen, sondern darum, jedem Produkt eine eigene Inszenierung zu geben. Eine Seite, die zur Marke, zur Saison oder zur Zielgruppe passt, ohne dass ein Team sie jedes Mal von Grund auf gestaltet.
In der Keynote ging die Vision noch einen Schritt weiter. Künftig sollen solche Seiten on demand entstehen, im Moment des Aufrufs, mit einer Geschichte, die auf den einzelnen Besucher zugeschnitten ist. Jeder Kunde bekäme dann nicht dieselbe Seite, sondern seine eigene.
Noch ist das eine Research Preview, ein Ausblick, über den sich zu diskutieren lohnt. Und ein paar Fragen bleiben offen: Wollen Kunden eine Seite, die für jeden anders aussieht? Und wer haftet, wenn eine generierte Beschreibung etwas verspricht, das das Produkt nicht hält? Spannend ist die Richtung aber zweifellos.
Commerce wird sich verändern
Unterm Strich verschiebt sich, wer in einem Shop überhaupt einkauft. Nicht mehr nur Menschen, sondern zunehmend auch KI-Assistenten, die für sie recherchieren, vergleichen und irgendwann bestellen. Damit verändert sich, wer ein Shop-System am Ende bedient.
Was Shopware auf dem SCD26 gezeigt hat, ist der Versuch, darauf früh eine Antwort zu geben. Manches davon ist heute nutzbar, anderes Beta, anderes noch Vision. Den genauen Weg kennt niemand, und ob am Ende alles so kommt, wird sich zeigen.
Wir bleiben an den Themen dran, insbesondere an MCP, das uns schon seit dem Abend in Butzbach beschäftigt. Und wenn Sie sich fragen, was Agentic Commerce konkret für Ihren Shop bedeutet: Sprechen Sie uns gerne an.